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Die Ringelnatter

 

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Die Ringelnatter

Abb. 1: Portrait einer Ringelnatter mit deutlich sichtbaren Kopfschildern.
(Foto: Florin Rutschmann)

 

Portrait der Ringelnatter (Natrix natrix)

Die Ringelnatter ist das in Schweiz am weitaus häufigste Reptil, das zur Unterordnung der Schlangen (Serpentes) gehört. Die Verbreitung reicht von Skandinavien bis in den Norden von Afrika, Marokko, Algerien und Tunesien. Im Osten ist die Ringelnatter bis über den Aralsee hinaus bekannt, wobei sie im Westen an der Atlantikküste ihre Ausbreitungsgrenze findet.

Einst war sie in Europa und der Schweiz äusserst häufig, was verschiedenen Schilderungen aus der Literatur zu entnehmen ist (Hofer et al., 2001).

Das Verhältnis zwischen dem Menschen und der Ringelnatter war in der Schweiz im Allgemeinen nicht gerade geprägt von Sympathie und Freundschaft. Die versteckte und scheue Lebensweise der Tiere führte zu ungeheuerlichen Schauergeschichten, welche von Schlangen berichten, die von Bäumen fallen oder gar von „milchtrinkenden“ Ringelnattern, die des Bauers Kühe nachstellen (Kabisch, 1978; Hofer et al., 2001).

Solche Geschichten und Mythen führten zu einer mehr oder minder systematischen Verfolgung aller Schlangen, die teilweise auch in Europa noch bis heute anhält und neben der Habitatszerstörung mitverantwortlich für den Rückgang ist. Heute ist die Ringelnatter in der Schweiz geschützt, sie steht sogar als gefährdete Art auf der Roten Liste.


Der Körperbau der Ringelnatter

Das Skelett der Ringelnatter besteht im Wesentlichen aus einem Schädel mit anschliessenden Wirbeln und Rippen (ca. 200-400) (Gruber, 1989). Der lang gestreckte Körperbau machte viele innere Anpassungen notwendig. So sind sämtliche Organe wie Herz, Lunge, Leber und die weiblichen Geschlechtsorgane schlank und länglich geformt (Dossenbach, 1977).

Zusätzlich hat sich ein sackförmiges Reservoir im hinteren Teil der Lunge entwickelt, in das Luft „eingelagert“ werden kann. Dieses Luftreservoir ermöglicht einerseits längere Tauchgänge andererseits ist es von Nöten, da während der Nahrungsaufnahme die Atemwege je nach Grösse der Beute vollständig verschlossen sein können.
Eine weitere morphologische Besonderheit, die bei der Nahrungsaufnahme zur Geltung kommt, ist die Anatomie des Schädels, d.h. der Ober- und Unterkiefer. Der rechte und linke Unterkiefer sind lediglich durch elastische Bänder miteinander verbunden und können unabhängig von einander bewegt werden. Dies macht es der Ringelnatter möglich, einen Grasfrosch (Rana temporaria) zu verschlingen, der ein Mehrfaches des Umfangs seines Räubers aufweisen kann.


Fortpflanzung


Es ist von der Ringelnatter bekannt, dass sich nach der ersten Frühjahrshäutung meist an speziellen Paarungsplätzen mehrere Individuen (bis ca. 60 Tiere) (Gruber, 1989) zur Paarung einfinden.

Zwischen Juli und August legen die sichtbar trächtigen Weibchen die Eier an geeigneten Eiablageplätzen ab, wobei diese nicht selten gemeinschaftlich genutzt werden und so an einem Eiablageplatz bis zu mehreren hundert oder gar tausend Eier vorkommen können. Als bevorzugtes Substrat werden Kompost-, Mist- (Pferdemist), Sägemehl-, oder verrottende Laub- und Schilfhaufen aufgesucht (Eckstein 1993).

Nach vier bis acht Wochen schlüpfen die Jungschlangen, indem sie mit dem Eizahn die Schale anritzen und sich anschliessend aus dem Ei herausarbeiten.


Haut und Häutung

Das Integument der Schlangen besteht wie bei anderen Wirbeltieren aus einer mehrschichtigen Epidermis und einer Lederhaut (Corium), die beide an der Ausbildung der Schuppen, Schienen und Schilder beteiligt sind (Kabisch, 1978). Die Augen- und Kopfschilder sind in Form, Anordnung und Stückzahl arttypisch und für eine verlässliche Bestimmung oft unerlässlich. Auf der Bauchseite befinden sich die quer verlaufenden Ventralia (Bauchschienen), die vom Kopf bis zum Analschild verlaufen. Der hormonell gesteuerte Häutungsvorgang selbst wiederholt sich jedes Jahr, abhängig von endo- und exogenen Faktoren, vier bis sechs mal (Kabisch, 1978).


Thermoregulation

Schlangen gehören zu den ektothermen Tieren, die ihre Körpertemperatur nicht selbständig regulieren können. Um die für die Aktivität nötige Körpertemperatur zu erreichen, stehen den Schlangen verschiedene Möglichkeiten offen. Es kann dies über die Wahl der Aktivitätsperioden, des Mikrohabitats, das Ausnutzen von Materialien mit einem hohen „Wärme-Inhalt“ wie Steinen oder Holz sowie das Abspreizen der Rippen zur Vergrösserung der Körperoberfläche beim Sonnen erfolgen.


Sinnesleistung

Sämtliche Aktivitäten der Ringelnatter sind abhängig von der Umgebungstemperatur und stehen in engem Zusammenhang mit der Sinnesleistung.

Im Gegensatz zu den Echsen, die meist über ein sichtbares Trommelfell verfügen, sind Schlangen vollständig taub. Sie verfügen weder über ein Aussenohr noch über Gehörgänge. Lediglich das Innenohr ist ausgebildet, wodurch die Tiere sehr erschütterungsempfindlich sind. Die Empfindlichkeit ist jedoch nur gewährleistet, wenn die Ringelnatter mit dem Kopf direkten Kontakt zum Untergrund oder Substrat hat (Kabisch, 1978), da die Schwingungen von den Unterkiefern über das Quadratbein weitergeleitet werden.

Die visuelle Wahrnehmung ist bei den meisten Arten gut ausgebildet, wobei sie vornehmlich auf Bewegung reagieren. Die Augen sind mehr oder weniger starr, da das Augenlied mit einem durchsichtigen Schild (sog. Brille) verwachsen und dadurch weitestgehend fixiert ist, jedoch auch einen optimalen Schutz erhält.

Abb. 2: Züngelnde Ringelnatter
(Foto: Florin Rutschmann)


Besonders ausgeprägt ist die olfaktorische (geruchliche) Orientierung. Schlangen verfügen neben der Nase, die aufgrund der unregelmässigen Luftzirkulation (Kabisch, 1978) für den Geruchssinn eine sekundäre Rolle spielt, über ein spezielles Organ im Gaumendach, das als Jacobsonsches Organ bezeichnet wird. Die aus der Umgebungsluft über die Zunge absorbierten Duftmoleküle werden beim Zurückziehen im Jacobsonschen Organ analysiert.

 

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